ORGANISCHE URSACHEN

Neben Funktionsstörungen anderer Organe, wie z. B. der Leber oder eines Hormonungleichgewichtes, verursacht auch eine Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose) ein ähnliches Symptombild wie die Panikattacke. Selbstverständlich sind erlittene schwere Hirnverletzungen, Schlaganfälle oder Hirnoperationen als mögliche Ursache der Panikattacken anzusehen. Auch Betroffene mit einem hirnorganischen Psychosyndrom entwickeln häufig Angsterkrankungen.

Organisch bedingte und klinisch gesicherte Herzrhythmusstörungen kommen als Auslöser von Angst und Panik ebenso in Betracht wie Asthma.

Angeblich leiden einer Studie von 1997 zufolge nahezu 50 % aller mit der Diagnose „Panikattacke" versehenen Betroffenen an „paroxysmalen supraventrikulären Herzrhythmusstörungen". Dies scheint jedoch offenkundig vollkommen haltlos zu sein. Fast alle der von Panikattacken Betroffenen haben mehrere Langzeit-EKGS hinter sich. Hier wurde bei nahezu keinem auch nur irgendeine im Entferntesten pathologische Rhythmusstörung entdeckt. Dieses Forschungsergebnis ist absolut fragwürdig und scheint auf eine fehlinterpretierten Statistik zu beruhen. Wenn die Forscher daran selbst glauben würden, bräuchten sie ja nicht mehr weitere neurobiologische Forschungen anzustellen und könnten die Panikattacke umbenennen in „paroxysmale supraventrikuläre Angst“.
Geht man davon aus, dass paroxysmale supraventrikuläre Tachykardien beispielsweise mit Herzfrequenzen von bis zu 200 Schlägen imponieren, würde auch der Stationsschwester in der Krankenhausambulanz auffallen, dass hier mehr als eine Panikattacke vorliegt.

In der Vorgeschichte von Betroffenen spielen vielfach auch Alkoholabusus und Erfahrungen mit Drogen eine Rolle. Sowohl der Beginn der Einnahme von Drogen oder übermäßiger Alkoholgenuss, als auch der Entzug können Panikattacken auslösen.

Auch erleiden Patienten mit chronischen Kopfschmerzen oder Migräne in der Vorgeschichte signifikant häufiger Panikstörungen.

Vielfach in der Literatur beschriebene Panikattacken bei Hypoglykämie, also Unterzuckerung, wurden bei den befragten Betroffenen jedoch in der Vorgeschichte nicht so häufig berichtet, wie die einschlägige Literatur dies dem Leser glaubhaft machen will. Hier kommt es ebenfalls zu Symptomen, die im Rahmen einer ärztlichen Versorgung eines Betroffenen recht schnell erkannt werden und differenzialdiagnostisch auch schnell von Panikstörungen separiert werden können. Die bei der Hypoglykämie beobachteten Symptome reichen von Schwitzen, Nervosität, Zittern, Blässe und manchmal Heißhunger, bis zu ernsthafteren Zeichen wie Verwirrtheit, rauschartigen Zuständen, bis hin zum hypoglykämischen Koma. Bei den befragten Betroffenen war in kaum einem Fall von Panikattacke ein in Richtung Hypoglykämie deutender Verdacht aufgekommen. Auch waren fast alle an Panikstörungen leidenden Betroffenen mehrfach labormedizinisch ohne jegliche Auffälligkeit untersucht worden, sodass die in der Literatur in Verbindung mit Panikattacken oft genannte Hypoglykämie sicherlich nicht den dargestellten Stellenwert hat. Dies gilt selbstverständlich nicht für Diabetiker, bei denen sehr schnell auch ein ernster hypoglykämischer Zustand auftreten kann.