SYMPTOMSCHILDERUNGEN BETROFFENER




„Ich gehe in den Supermarkt. Als ich den Einkaufswagen nehme, ist noch alles in Ordnung. Sobald ich in das Geschäft hereingehe, wird mir schlagartig heiß. Je weiter ich mich in den Laden hineinbewege, desto unbehaglicher wird mir. Es wird mir schwindlig. Meine Hände krampfen sich an den Einkaufswagen fest. Der Boden scheint unter meinen Füßen zu schwanken. Ich spüre meine Füße nicht auf dem Boden. Irgendwie laufe ich wie auf Watte. Oh Gott ich befürchte, dass ich gleich umfallen werde, weil mein Gehirn zu wenig Blut bekommt. Ich habe große Angst ohnmächtig zu werden und hier in dem Geschäft umzufallen. Wie peinlich, alle Menschen werden das sehen. Sie werden sich über mich beugen, einen Krankenwagen rufen. Bloß schnell heraus hier. Ich verlasse fluchtartig das Geschäft, lasse den Einkaufswagen zurück. Draußen auf dem Parkplatz wird es etwas besser. Ich verspüre starken Harndrang."

Eine weitere Schilderung:

„Es kommt ganz plötzlich. Alles um mich herum sieht so verändert aus. Ich fahre im Auto und nehme die Gegend als so unwirklich wahr. Alles ist zu hell. Ich stelle mich selbst in Frage. Bin ich hier oder wo bin ich. Ich befürchte, gleich einen Schlaganfall zu bekommen. Meine Wangen und Mundwinkel spannen. Meine Lippen kribbeln, mein Gesicht ist gefühllos. Meine Hände sind gefühllos. Ich erwarte voller Angst, gleich nicht mehr zu leben. Ich ändere sofort meine Richtung und fahre in die Nähe des Krankenhauses. Hier kann man mir helfen, wenn es schlimmer wird. Ich steige auf dem Parkplatz des Krankenhauses aus dem Auto. Nach ein paar Minuten geht es wieder besser."

Eine weitere Schilderung:

„Bei einem Kinobesuch mit Freunden erwischte es mich sehr stark, ich bekam von dem Film nichts mit, da ich nur beschäftigt war meine Atmung zu kontrollieren und zu beten, dass der Film endlich aus ist, bevor ich umfalle. Ich durchlebte tausend Tode, weil ich am Ende der Reihe saß und meine Freunde neben mir saßen. Ich konnte nicht heraus, der Weg war während der Vorstellung für mich versperrt. Ich hatte Herzklopfen und musste immer schneller atmen. Meine Hände verkrampften sich. Ich hatte ein Beklemmungsgefühl in der Brust und erwartete, gleich einen Herzinfarkt zu bekommen. Ich spürte meine Hände nicht mehr."

Andere Betroffene:

„In einer beruflich wichtigen Situation begann es dann richtig. Herzrasen ohne Ende, weiche Knie, kurz vor der Atemnot und Schwindel. Ich verließ schlagartig den Raum. Das war dann der längste Weg zur U-Bahn meines Lebens. Diese Gedanken, dieses Gefühl, für jemanden der es nicht kennt, ist es schier unbeschreiblich. Ich saß noch keine Minute in der U-Bahn und ich dachte, ich muss hier raus und zum nächsten Arzt. Ich stieg aus, verließ fluchtartig die Bahn und suchte ein Taxi. Ich fuhr ins Krankenhaus. In der Notaufnahme untersuchte man alles. Blutdruck, Blutwerte EKG, neurologische Untersuchung: Es fehlt Ihnen nichts, war die Diagnose.“

Weitere Betroffene:

„Ein Stechen im Bauch ... klopft mein Herz nicht irgendwie zu schnell ... dieses Engegefühl im Hals, ich glaube ich ersticke, oder habe ich Kehlkopfkrebs ... mir wird ganz komisch, mein Herz schlägt viel zu schnell, es bleibt gleich stehen ...“

„Ich fahre mit dem Auto durch die Stadt. Auf einer mehrspurigen Straße kann ich nur links fahren, es ist Stau. Mein Herz rast. Ich komme hier nicht heraus, wenn etwas mit mir ist. Ich fange an zu hyperventilieren, mein Herz stolpert. Ich habe große Angst hier im Auto ohnmächtig zu werden und mein Auto steht dann einfach vor der grünen Ampel. Ich bin wie erstarrt und erwarte gleich hinter dem Lenkrad zusammenzusinken.“

Anhand der oben aufgezeigten exemplarischen Schilderungen ist bereits deutlich geworden, dass es keinesfalls der klassischen mindestens 4 von 13 katalogisierten Symptomen bedarf um eine Panikattacke zu haben. Viele der Betroffenen haben bei manchen Panikattacken nur ein einziges Symptom, nämlich das Allerhäufigste: Schwindel!

„Mein Körper fängt an zu kribbeln und ich sehe alles wie durch Nebel. Mir ist so schwindlig, dass ich nicht mehr gehen kann.“

„Sobald ich unter Menschen muss, z. B. in ein Kaufhaus oder in ein Restaurant, werden meine Knie weich und es wird mir so schwindlig, dass ich glaube jeden Moment bewusstlos zu werden. Auch wenn ich über große Plätze muss, schwanke ich und hoffe noch das andere Ende des Platzes zu erreichen, weil mir so schwindlig ist.“

Viel treffender sind die immer wiederkehrenden Betroffenenberichte, die stets folgendes Erleben in den Vordergrund stellen:

Erlebnisse von Benommenheit, Verwirrtheit, Kontrollverlust über den eigenen Körper, Empfindung schwankenden Gehens oder Schwindel, meist als Schwankschwindel. Empfindungen, die Sohlen der Schuhe auf dem Boden nicht mehr zu spüren, oder die Füße nicht zu spüren. Empfindungen, dass das Licht zu hell sei, Geräusche als unangenehm oder unwirklich empfunden werden. Gefühl, dass das Sehen oder Hören sich verändert hat, Nebel sehen oder wie durch Schleier hören.

Eine treffende Schilderung von sog. Derealisationsgefühlen und Depersonalisationsgefühlen gibt die nachfolgende Schilderung eines Betroffenen:

„Dieses Unwohlsein, das Herzjagen, der Schwindel, die Unwirklichkeit der Umgebung, das Empfinden, nicht in sich zu sein. Am meisten macht mir zu schaffen, dass meine Stimme mir fremd ist. Oft ist es so, als gehöre mir meine Stimme nicht, das heißt, ich höre mich sprechen, so wie ich einen anderen Menschen sprechen höre.“

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